Bluetooth Auracast: Der neue Standard für barrierefreies Hören

Autor:

Iris Oerkwitz

Veröffentlich am:

4. Februar 2026

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Das Wichtigste in Kürze

  • Bluetooth Auracast ist ein neuer Industriestandard, der eine direkte, kabellose Audioübertragung an viele Empfänger gleichzeitig ermöglicht, darunter auch Hörgeräte.
  • Die Technologie basiert auf Bluetooth LE Audio und bietet klare Klangqualität, niedrigen Energieverbrauch und eine einfache Verbindung über das Smartphone.
  • Sie verbessert das Sprachverstehen in lauten Umgebungen durch direkte Übertragung ans Ohr und macht Informationen in öffentlichen Räumen barrierefrei zugänglich.
  • Erste Hörgeräte sind bereits kompatibel, eine größere Auswahl an Modellen wird sich voraussichtlich im Laufe der nächsten Jahre entwickeln.
  • Damit eröffnet Bluetooth Auracast eine neue Dimension des inklusiven, drahtlosen Hörens für Alltag, Beruf und Freizeit.

Was ist Bluetooth Auracast?

Bluetooth Auracast ist ein neuer Industriestandard, der das Hören in öffentlichen und privaten Umgebungen revolutionieren soll. Die Technologie wurde 2023 von der Bluetooth SIG vorgestellt und ist darauf ausgelegt, Millionen von Hörgeräteträgerinnen und -trägern weltweit das Leben zu erleichtern. Künftig kann Bluetooth Auracast von allen Smartphone-, Kopfhörer- und Hörgeräteherstellern genutzt werden, unabhängig vom Anbieter und mit einheitlicher technischer Grundlage.

Das Ziel ist klar:

Besseres Sprachverstehen und barrierefreies Hören, auch in schwierigen akustischen Situationen wie Flughäfen, Vorträgen, Klassenzimmern oder Konzertsälen. Dabei werden die Audiosignale direkt und in Echtzeit an kompatible Hörgeräte oder Kopfhörer übertragen.

Technisch basiert Auracast auf Bluetooth 5.2 und LE Audio. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bluetooth-Verbindungen kann hier ein Sender gleichzeitig an viele Empfangsgeräte streamen, ähnlich wie ein Radiosender, aber digital und mit deutlich höherer Klangqualität.

Die Vorteile liegen auf der Hand: geringere Latenzzeiten, niedriger Energieverbrauch und effizientere Datenübertragung. Für Hörgeräte ist das besonders wichtig, da die Energieversorgung über winzige Batterien oder Akkus erfolgt. Auch die Verbindung gestaltet sich unkompliziert: Nutzer*innen können sich über das eigene Smartphone etwa per QR-Code oder Passwort mit einem Auracast-Stream verbinden. Danach läuft die Übertragung selbstständig weiter, ganz ohne aktives Smartphone.

Bluetooth Auracast eröffnet neue Möglichkeiten der Inklusion: In öffentlichen Räumen ersetzt es klassische Telefonspulen durch eine flexible, kabellose Lösung mit hervorragender Audioqualität. Feste Sitzplätze oder spezielle Empfangsgeräte werden überflüssig. Und nicht nur Menschen mit Hörgeräten profitieren. Auch für Kopfhörernutzende ist Auracast ideal, zum Beispiel beim gemeinsamen Musik- oder Filmschauen.

Kompatible Geräte erkennen Sie am Auracast-Logo. Einige neuere Modelle lassen sich per Software-Update nachrüsten, sodass der Einstieg in die neue Hörtechnologie besonders leicht fällt.

Auracast

Vorteile für Menschen mit Hörgeräten

Die Einführung von Bluetooth Auracast bedeutet einen bedeutenden Fortschritt für Menschen mit Hörsystemen. Die neue, herstellerübergreifende Konnektivität ist nicht nur komfortabel im Gebrauch und verbessert die Klangqualität, sie erhöht zugleich die Zugänglichkeit von Informationen und fördert die gesellschaftliche Teilhabe. Damit wird Kommunikation in unterschiedlichsten Alltagssituationen einfacher, direkter und inklusiver.

Die praktischen Vorteile zeigen sich in vielen Lebensbereichen:

  • Veranstaltungen im öffentlichen Raum: Mit Bluetooth Auracast könnten Hörgeräteträgerinnen und -träger Ansagen in Bahnhöfen, Flughäfen oder Veranstaltungshallen direkt und klar im Hörsystem empfangen.

  • Reiseinformationen in Echtzeit: Änderungen von Fahrplänen oder Gate-Hinweisen könnten unmittelbar hörbar übertragen werden, ohne störende Umgebungsgeräusche.

  • Direktempfang von Audioquellen: In Kinos, Konferenzsälen oder Vorlesungen ließen sich Tonspuren direkt ins Hörgerät streamen, was das Sprachverstehen erheblich verbessert.

  • Bessere Verständlichkeit in Alltagssituationen: Selbst stummgeschaltete Bildschirme in Bistros, Bussen oder Sportsbars könnten über Bluetooth Auracast ein Audiosignal bereitstellen, das über das Hörgerät empfangen wird.

  • Erweiterte Nutzung im Freizeitbereich: Museen, Sehenswürdigkeiten oder kulturelle Einrichtungen könnten Besucher*innen Audioführungen direkt ins Hörgerät senden, barrierefrei und in höchster Klangqualität.

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Vielfältige Einsatzbereiche von Auracast

Einsatzbereiche von DAÜ-Anlagen

Die Einsatzmöglichkeiten von Bluetooth Auracast sind ebenso vielseitig wie zukunftsweisend. Überall dort, wo Audiosignale gleichzeitig an viele Empfänger übertragen werden sollen, bietet die Technologie eine flexible und effiziente Lösung. Ob im öffentlichen Raum oder im privaten Umfeld, Auracast sorgt für klare, barrierefreie Klangübertragung ohne physische Verbindung und mit höchster Stabilität.

Im öffentlichen Raum gewinnt die Technologie zunehmend an Bedeutung:

Erste Flughäfen, Bahnhöfe, Universitäten, Museen oder Sportstätten setzen bereits auf Auracast, um Informationen und Durchsagen direkt und verständlich an Hörgeräte oder Kopfhörer zu senden. So können Reisende, Besuchende oder Teilnehmende an Veranstaltungen das gewünschte Audiosignal einfach auswählen und empfangen, individuell, diskret und ohne Umgebungsstörungen. Das stärkt die Inklusion und ermöglicht allen Menschen gleichberechtigten Zugang zu wichtigen Informationen.

Auch im privaten Bereich entfaltet Auracast sein Potenzial:

Ein Auracast-Transmitter lässt sich beispielsweise mit dem Fernseher, Computer oder der Musikanlage verbinden. Dadurch wird das Audiosignal gleichzeitig an mehrere kompatible Hörgeräte oder Kopfhörer übertragen, ideal für gemeinsames Fernsehen oder Musikhören, ohne Kompromisse bei der Lautstärke. Die Übertragung erfolgt in exzellenter Audioqualität und mit minimaler Verzögerung, sodass Gespräche und Klänge natürlich und synchron wahrgenommen werden.

Welche Hörgeräte Auracast schon heute nutzen

Einige moderne Hörsysteme sind bereits auf die Zukunft vorbereitet und unterstützen die neue Bluetooth Auracast-Technologie. Erste Modelle wie GN ReSound Hörgeräte oder CI’s von Cochlear, verfügen schon jetzt über die notwendige Technik. Diese Hörgeräte sind mit Bluetooth LE Audio ausgestattet und damit in der Lage, künftig Auracast-Signale direkt zu empfangen.

Noch befindet sich die Einführung der Technologie in einer Übergangsphase. Weder LE Audio noch der neue LC3-Codec, der für besonders energieeffiziente und hochwertige Klangübertragung sorgt, sind bislang flächendeckend verfügbar. In der Praxis bedeutet das: Die Kompatibilität hängt aktuell noch stark von den einzelnen Geräten und deren Softwarestand ab.

Beim Kauf eines neuen Hörgeräts sollten Nutzerinnen und Nutzer daher genau prüfen, ob LE Audio bereits unterstützt wird oder ob ein zukünftiges Software-Update geplant ist. Viele Hersteller kennzeichnen kompatible Produkte mit dem Auracast-Logo oder bieten entsprechende Informationen in ihren technischen Spezifikationen an.

Was kann es für die Zukunft der Übertragungstechnik für Hörsysteme bedeuten?

Bluetooth Auracast markiert den Beginn einer neuen Ära in der drahtlosen Audiotechnologie, insbesondere für Menschen mit Hörsystemen. Die Technologie kombiniert hohe Klangqualität, Energieeffizienz und barrierefreie Kommunikation in einem offenen, herstellerübergreifenden Standard.

Trotz dieser vielversprechenden Vorteile stehen Entwickler und Hersteller noch vor einigen Herausforderungen. Dazu zählen vor allem die Optimierung des Energieverbrauchs sowie die Sicherstellung der Kompatibilität zwischen unterschiedlichsten Geräten und Systemen. Ebenso entscheidend für den Erfolg wird die breite Einführung in öffentlichen und privaten Einrichtungen sein, denn nur, wenn Flughäfen, Schulen, Konferenzzentren oder Veranstaltungsorte Auracast aktiv einsetzen, kann die Technologie ihr volles Potenzial entfalten.

Langfristig jedoch ist der Ausblick äußerst positiv. Mit der fortschreitenden Entwicklung von Bluetooth LE Audio und dem effizienten LC3-Codec dürfte sich Bluetooth Auracast als zentraler Übertragungsstandard der nächsten Generation etablieren. Es verbindet einfache Bedienung, hohe Stabilität und beste Klangqualität und wird so die Art und Weise, wie Hörsysteme mit ihrer Umgebung interagieren, grundlegend verändern.

Damit steht Bluetooth Auracast nicht nur für eine technologische Innovation, sondern für einen entscheidenden Schritt in Richtung barrierefreie Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe.

FAQ

Zunächst muss der zu hörenden Ton mit Hilfe eines Auracast Transmitter das Signal als Auracast Broadcast zur Verfügung stellen. Mit Hilfe eines Auracast Assistenten kann dieser nun für den Stream ausgewählt werden (Ähnlich, wie man sich in ein Wlan Netzwerk einwählt). Das kann ein auracast-fähiges Smartphone sein, einige Hörsystemhersteller bieten diese Möglichkeit aber auch über eine eigene App, so dass auch ältere Smartphones ohne Auracast genutzt werden können. Nun überträgt der Transmitter den Ton auf die verbundenen Auracast Empfänger. Das können Hörgeräte und CI’s aber auch einfach Kopfhörer sein.

Die Bluetooth SIG versucht die Liste mit kompatiblen Geräten aktuell zu halten, so dass Sie sich hier stets aktuell informieren können:

https://www.bluetooth.com/de/auracast/find-a-product/

Älteres Bluetooth Classic nutze Bluetooth Audio zur Übertragung von Ton. Diese Übertragung hat jedoch eine recht hohe Zeitverzögerung, was gerade für Hörgeschädigte Menschen die auf Lippenlesen angewiesen sind und parallel auch die Umwelt über Ihre Hörgeräte hören müssen, ein Problem sein konnte, da es eine deutlich hörbare Zeitverzögerung gab und damit nicht für alle Einsatzwecke geeignet war.

Weiter benötigt diese Technologie sehr viel Rechenleistung und Strom, was nur sehr wenige Hörsystem-Hersteller mit winzigen Microporzessoren und unauffälligen Bauformen überhaupt umsetzen konnten.

Die meisten Hersteller arbeiteten mit abgewandelten Übertragungen (sog. Proprietärer Übertragungsprotokolle), die auf Hörgeräte optimiert, aber dadurch nicht mit Bluetooth Classic Produkten kompatibel waren und damit immer auf eigenes Zubehör angewiesen sind. Dadurch hätte für jeden Hörsystemhersteller ein eigener Sender/ eigenes Zubehör angeschafft werden müssen, was es nachvollziehbarerweise nicht in den öffentlichen Bereich schaffte, sondern nur für den privaten Gebrauch wie TV streamen verkauft wurde.

Vor allem aber war der Audiostream immer nur zu einem Gerät gleichzeitig möglich. Um es auf einem zweiten Hörgerät hörbar zu machen, etwa für eine Person mit beidseitigem Hörverlust, kopierte man dieses Signal und streamte es mit einer eigenen Übertragungstechnologie auf das Gegenohr.

Mehrere Personen mit Hörgeräten gleichzeitig zu erreichen, war aber auch hier nur mit einer herstellereigenen (proprietären) Übertragung möglich und damit nicht herstellerunabhängig und ungeeignet für öffentliche Lösungen zum barrierefreien Hören.

Jein… Derzeit gibt es noch nicht viele Hörsysteme, die Auracast unterstützen, weshalb diese Übertragung allein zur Zeit noch recht wenige Personen erreichen würde. Daher ist es gefährlich, die Induktionsschleife schon komplett für tot zu erklären, da Sie für viele Menschen noch immer alternativlos ist.

Da Auracast in Zukunft aber immer mehr Raum einnehmen wird, empfehlen wir es schon jetzt in unseren Projekten, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Je nach Projektanforderung kann eine Kombination aus unterschiedlichen Übertragungen sinnvoll sein. Das Gute an Auracast ist im Vergleich zur Ringschleife nämlich, dass es deutlich einfacher umgesetzt werden kann, da kaum bis keine baulichen Maßnahmen nötig sind.

Und während Hörsysteme mit T-Spule immer seltener werden, geht der Trend bei allen Herstellern ganz klar zu Auracast und wird damit vermutlich die Zukunft sein.

Wir beraten Sie gern individuell, um eine optimale und wirtschaftlich sinnvolle Lösung für Ihr Projekt zu finden und möglichst viele Menschen mit Hörminderung erreichen zu können.

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