
Das Cochlea-Implantat: Funktionsweise & Ablauf
Autor:
Iris Oerkwitz
Veröffentlich am:
4. Februar 2026
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Das Wichtigste in Kürze
- Ein Cochlea-Implantat ermöglicht Menschen mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit das Hören, indem es den Hörnerv direkt elektrisch stimuliert und so die Funktion der geschädigten Haarzellen im Innenohr ersetzt.
- Das System besteht aus einem äußeren Sprachprozessor und einem implantierten Teil mit Elektroden in der Hörschnecke, die Schallsignale in elektrische Impulse umwandeln.
- Vor der Implantation erfolgen umfangreiche Hörtests, medizinische Untersuchungen und eine Beratung zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
- Nach der Operation wird das Implantat schrittweise aktiviert und individuell eingestellt, regelmäßiges Hörtraining unterstützt das Gehirn dabei, die neuen Klänge zu verarbeiten.
- Mit Geduld, Rehabilitation und technischer Anpassung können viele Betroffene wieder Sprache verstehen und aktiv am Leben teilnehmen.
Was versteht man unter einem Cochlea-Implantat (CI)?
Ein Cochlea-Implantat (CI) ist eine hochentwickelte Hörhilfe für Menschen mit einer schweren bis hochgradigen Hörschädigung, bei denen herkömmliche Hörgeräte keine ausreichende Unterstützung mehr bieten. Während ein Hörgerät den Schall lediglich verstärkt und auf die verbliebene Funktion der Haarzellen im Innenohr angewiesen ist, übernimmt das Cochlea-Implantat die Aufgabe dieser Sinneszellen vollständig.
Das System besteht aus zwei Teilen: einem inneren und einem äußeren. Der implantierte Teil enthält den Elektrodenträger, der in die Hörschnecke (Cochlea) eingeführt wird und dort die noch vorhandenen Nervenzellen direkt elektrisch stimuliert. Der äußere Teil, der Soundprozessor, wird wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen. Er nimmt Schall über ein Mikrofon auf, wandelt diesen in elektrische Impulse um und überträgt sie mittels magnetischer Sendespule an das Implantat unter der Haut.
So entsteht ein direkter Reiz auf den Hörnerv, der im Gehirn als Hörinformation verarbeitet wird. Auf diese Weise ermöglicht das Cochlea-Implantat vielen Menschen wieder ein besseres Sprachverstehen und aktives Hören, selbst dann, wenn die Haarzellen der Hörschnecke stark geschädigt oder vollständig ausgefallen sind.
Funktionsweise des Cochlea-Implantats
Der Sprachprozessor, auch Audioprozessor genannt, wird in der Regel hinter dem Ohr getragen. Er enthält das Mikrofon, das den Schall aus der Umgebung aufnimmt, analysiert und mithilfe eines integrierten Computers an die individuelle elektrische Empfindlichkeit des Hörnervs anpasst. Die so erzeugten elektrischen Impulse werden über ein feines Kabel an die Sendespule weitergeleitet.
Diese Sendespule ist ein kleines, rundes Plättchen, das mithilfe eines Magneten hinter dem Ohr auf der Kopfhaut gehalten wird. Sie überträgt die codierten Signale sowie die nötige Energie drahtlos an den Implantatkörper, der sich unter der Haut direkt gegenüber der Spule befindet.
Es gibt neben den klassischen Hinter-dem-Ohr-Prozessoren auch Modelle, die Prozessor und Spule in einem Gerät vereinen – sog. Single-Unit_Prozessoren. Durch den geringeren Platz für die Technik haben diese jedoch häufig nur eingeschränkte Funktionen und Anschlüsse, was besonders bei der Nutzung von Übertragungsanlagen berücksichtigt werden sollte.
Der Implantatkörper, auch Empfänger/Stimulator genannt, enthält die Elektronik zur Steuerung der Stimulationselektroden sowie eine Antenne und einen Magneten. Die Elektronik bereitet die empfangenen Impulse so auf, dass sie über die in die Hörschnecke (Cochlea) eingeführten Elektroden gezielt die Hörnervenfasern aktivieren. Diese Reize werden über die Hörbahn an das Gehirn weitergeleitet, wo sie als Höreindruck verarbeitet werden.
Für die elektrische Stimulation wird zusätzlich eine Referenz- oder Gegenelektrode benötigt, die entweder unter den Schläfenmuskel (Musculus temporalis) gelegt oder direkt am Implantatkörper befestigt ist.
In der klinischen Praxis werden heute Systeme verschiedener Hersteller verwendet. In Deutschland sind das Cochlear, MED-EL, Advanced Bionics und Oticon Medical (Hinweis: Oticon Medical hat den CI-Bereich eingestellt, der Service für alle bereits implantierten Patienten wird jedoch weiterhin über die Firma Cochlear sichergestellt). Alle haben Ihre eigenen individuellen Stärken, aber verfolgen dasselbe Ziel: Menschen mit starkem Hörverlust ein natürliches, klares Hörerlebnis zu ermöglichen und so ihre Teilhabe am Alltag nachhaltig zu verbessern.
Wie klingt die Welt für Menschen mit einem Cochlea-Implantat?
Das Hören mit einem Cochlea-Implantat ist anfangs für viele Patient*innen eine völlig neue Erfahrung. Der Klang wird häufig als ungewohnt, metallisch oder technisch beschrieben. Das liegt daran, dass das Implantat Tonhöhen und Klangfarben nicht so fein differenzieren kann wie ein gesundes Innenohr.
Durch eine sorgfältige Anpassung der Elektronik und ein regelmäßiges Hörtraining lernt das Gehirn jedoch, die neuen Höreindrücke zu interpretieren und richtig einzuordnen. Dieser Prozess erfordert Zeit und Geduld, in der Regel dauert es zwischen drei und zwölf Monaten, bis sich ein natürlicher Höreindruck einstellt und die Sprache wieder klar verstanden wird.
Das Cochlea-Implantat hilft nicht nur Menschen, die ihr Gehör im Laufe des Lebens verloren haben. Auch Kinder mit angeborener Taubheit können davon profitieren: Wird ein CI frühzeitig implantiert, haben sie sehr gute Chancen, Hören und Sprechen zu erlernen und damit aktiv am Leben teilzuhaben.



