
Cochlear Nucleus 8 mit Roger nutzen
Autor:
Iris Oerkwitz
Veröffentlich am:
25. März 2026
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Das Wichtigste in Kürze
- Der Cochlear Nucleus 8 kann die Roger-Technologie von Phonak nutzen, um Sprache und Audio drahtlos und deutlich verständlicher zu übertragen, zum Beispiel in Unterricht, Vorträgen oder Gesprächen auf Distanz.
- Eine Möglichkeit ist der Roger 20, ein direkt am Nucleus-8-Soundprozessor befestigter Empfänger. Er ermöglicht eine sehr kompakte und diskrete Nutzung mit direkter digitaler Übertragung.
- Eine zweite Option ist der Roger Neckloop Empfänger, über den das Signal an die T-Spule des Nucleus 8 übertragen wird. Diese Lösung ist meist günstiger, kann jedoch störanfälliger sein und erfordert das Tragen des Neckloops um den Hals, sowie das manuelle Aktivieren des T-Programms.
- Die dritte Möglichkeit kombiniert Mini Mic 2+ mit Roger X, wobei das Roger-Signal über das Mini Mic 2+ an den Nucleus 8 gestreamt wird. Das System ist flexibel und vielseitig nutzbar, benötigt jedochzusätzliche Geräte, die geladen bzw. mitgeführt werden müssen.
1. Roger 20
Der Roger 20 ist ein design-integrierter Empfänger, der direkt zwischen dem Batterie-Modul und der Prozessoreinheit des Nucleus 8 angebracht wird. Dadurch entsteht eine besonders kompakte Lösung für die drahtlose Hörübertragung.
Vorbereitung
Nehmen Sie Ihren Nucleus 8 Soundprozessor zur Hand und entfernen Sie zunächst die Batterieeinheit vom Prozessor. Anschließend setzen Sie den Roger 20 Empfänger dazwischen. Die Befestigung des Roger 20 zwischen den beiden Teilen ist identisch zu der, die Sie bereits ohne Roger 20 gewohnt sind.
Nach dem Zusammenbauen muss der Prozessor nur noch eingeschaltet werden und der Empfänger ist damit einsatzbereit.
Kopplung und Nutzung
Damit der Soundprozessor das Signal eines Roger-Senders empfangen kann, muss der Empfänger einmal mit dem Roger Sender gekoppelt werden.
Schalten Sie Ihren Roger-Sender ein, zum Beispiel einen Roger On oder ein Roger Touchscreen Mic. Halten Sie den Sender anschließend etwa 10 cm an den Roger 20 Empfänger am Prozessor. Drücken Sie nun am Sender die Connect-Taste, die meist mit einem Ketten- oder Pfeilsymbol gekennzeichnet ist und warten Sie auf die Bestätigung der erfolgreichen Verbindung (abhängig vom verwendetem Sender)
Sobald der Sender aktiv ist, erkennt der Soundprozessor das Signal automatisch und wechselt in das passende Zubehör-Programm. Ein manuelles Umschalten am Prozessor ist nicht nötig. In der Regel müssen Sie danach keine weiteren Einstellungen vornehmen.
Zusätzlich kann in der Nucleus Smart App kontrolliert werden, ob der Roger-Empfänger unter dem Bereich „Zubehör“ erkannt wird. So lässt sich schnell prüfen, ob das System betriebsbereit ist.
Über die Smart App lässt sich außerdem das Mischverhältnis anpassen. Damit bestimmen Sie, wie laut das Roger-Signal im Vergleich zu den Mikrofonen des Cochlea-Implantat-Prozessors sein soll. So kann das Sprachsignal stärker hervorgehoben bzw. die Umgebung etwas zurückgenommen werden. Das ist besonders hilfreich in Unterrichtsräumen, Besprechungen oder anderen akustisch anspruchsvollen Situationen, in denen es sehr laut ist.
Vorteile
- Ein wesentlicher Vorteil des Roger 20 ist seine diskrete Bauweise. Da es den Roger 20 in allen Prozessorfarben gibt, kann dieser zudem farblich abgestimmt werden und damit trotz zunehmender Größe diskret aussehen.
- Es gibt keine zusätzlichen Kabel und keine weiteren Geräte, die separat getragen werden müssen. Das sorgt für ein aufgeräumtes Handling und erhöht den Tragekomfort.
- Da der Roger 20 seinen Strom vom Prozessor erhält, ist auch kein Aufladen oder eine extra Batterie für den Empfänger notwendig.
- Auch die Klangqualität ist ein klarer Pluspunkt. Das Signal wird digital und direkt übertragen, ohne Umwege über zusätzliche Zwischengeräte. Dadurch ist eine sehr stabile und hochwertige Übertragung möglich.
- Hinzu kommt die einfache Bedienung. Der Soundprozessor erkennt den Empfänger automatisch, es ist keine Programmwechsel nötig, was die Nutzung im Alltag deutlich erleichtert.
- Da das Programm bereits standartmäßig angelegt ist, müssen Patienten nicht noch extra in die Klinik o. Ä., sondern es handelt sich um ein „Plug and Play“ System
Nachteile
- Der Roger 20 zählt meist zu den kostenintensiveren Lösungen, insbesondere für beidohrige Versorgungen, da je Seite ein eigener Empfänger benötigt wird
- Ein weiterer Nachteil ist die geringere Flexibilität. Der Roger 20 ist speziell für den Nucleus 8 ausgelegt. Bei einem späteren Wechsel auf einen anderen Soundprozessor kann es sein, dass der Empfänger nicht weiterverendet werden kann (Nucleus 7 ist aber z. B. kompatibel!).
2. Roger Neckloop & T-Spule
Die Roger Neckloop ist eine Lösung, um die T-Spule des Prozessors für den Empfang zu nutzen. Das Roger-Signal wird zunächst vom Neckloop empfangen und anschließend über ein Magnetfeld an die T-Spule (Telecoil) des Nucleus 8 übertragen.
Diese Technik wird seit vielen Jahren in Hörsystemen eingesetzt und ist mit vielen Hörgeräten und Cochlea-Implantat-Prozessoren kompatibel und kommt besonders in öffentlichen Bereichen zum Einsatz.
Vorbereitung
Eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung ist, dass die T-Spule im Nucleus 8 aktiviert wurde. Diese Einstellung wird in der Regel vom Audiologen oder von der betreuenden Klinik vorgenommen. Ist die T-Spule nicht im Programm hinterlegt, kann kein Signal vom Neckloop empfangen werden.
Für die Kopplung wird der Roger Neckloop eingeschaltet und um den Hals gehängt. Anschließend halten Sie das Roger-Mikrofon nah an das Gehäuse des Neckloops und drücken die „Connect“-Taste am Mikrofon. Dadurch wird die Verbindung zwischen Mikrofon und Neckloop hergestellt.
Der Neckloop verfügt außerdem über einen eigenen Akku, der über USB-C geladen wird. Das bedeutet, dass er unabhängig vom Soundprozessor mit Energie versorgt wird und regelmäßig separat geladen werden muss.
Nutzung
Um den Neckloop zu verwenden, legen Sie die Induktionsschleife um den Hals. Wichtig ist, dass die Schleife geschlossen getragen wird, da nur so das notwendige Magnetfeld für die Signalübertragung entsteht.
Im nächsten Schritt wählen Sie am Nucleus 8 das Programm für die T-Spule aus. Dies kann entweder über die Taste am Soundprozessor oder über die entsprechende App erfolgen. Anders als bei integrierten Empfängern erkennt der Prozessor nicht automatisch, dass ein Signal vom Neckloop gesendet wird.
Auch die Position des Neckloops spielt eine Rolle. Damit das Roger-Mikrofon zuverlässig erreicht wird, sollte das Gerät nicht unter sehr dicker Kleidung getragen werden. Eine freie Positionierung verbessert die Funkverbindung und sorgt für eine stabile Übertragung.
Vorteile
- Ein großer Vorteil dieser Lösung ist der Preis. Die Roger Neckloop gehört häufig zu den kostengünstigeren Möglichkeiten, um ein Roger-Mikrofon mit einem Cochlea-Implantat zu nutzen, besonders bei beidseitigen Versorgungen.
- Hinzu kommt die hohe Kompatibilität. Da viele Hörgeräte und Cochlea-Implantate über eine T-Spule verfügen, kann der Neckloop mit unterschiedlichen Systemen verwendet werden. Das macht ihn besonders flexibel.
- Ein weiterer Pluspunkt kann für einige der eigene Akku sein. Dadurch wird der Akku des Nucleus 8 nicht zusätzlich belastet.
Nachteile
- Die Übertragung über Induktion kann empfindlicher gegenüber elektrischen Störquellen sein. In manchen Umgebungen – zum Beispiel unter Leuchtstoffröhren oder in der Nähe stärkerer Stromleitungen – können Brummgeräusche auftreten.
- Außerdem muss ein zusätzliches Gerät um den Hals getragen werden. Das empfinden manche Personen im Alltag als weniger diskret oder störend.
- Auch klanglich kann es Unterschiede geben. Im Vergleich zu einer direkten digitalen Kopplung wirkt das Signal bei der Induktionsübertragung teilweise etwas weniger klar, da der Übertragungsbereich etwas geringer ist. Dies wird jedoch nicht immer wahrgenommen und hängt auch vom Hörverlust und Hörversorgung ab.
3. Mini Mic 2+ & Roger X
Diese Lösung kombiniert zwei Geräte: das Cochlear Mini Mic 2+ und den Roger X Empfänger. Das Mini Mic 2+ verfügt an der Unterseite über einen sogenannten Euro-Anschluss (DAI – Direct Audio Input). In diese Buchse kann der Roger X eingesteckt werden.
Der Roger X ist ein kompakter Universal-Empfänger, der das Signal eines Roger-Mikrofons empfangen kann. Das Mini Mic 2+ übernimmt anschließend die Weiterleitung an den Nucleus 8. Dadurch entsteht eine flexible Verbindung zwischen Mikrofon und Cochlea-Implantat-Prozessor.
Vorbereitung
Zunächst muss das Mini Mic 2+ einmalig mit dem Nucleus 8 Prozessor gekoppelt werden. Dazu wird der Pairing-Knopf auf der Rückseite des Mini Mics gedrückt, während der Prozessor neu startet. Nach diesem Vorgang erkennen sich beide Geräte automatisch.
Anschließend wird der Roger X Empfänger in die Euro-Buchse auf der Unterseite des Mini Mic 2+ gesteckt. Der Empfänger sitzt dort fest und kann dauerhaft eingesteckt bleiben (Achtung, der Roger X passt nur in eine Richtung. Die Löcher und Stifte sind unterschiedlich groß!).
Da ein Roger X keine eigene Stromquelle hat, muss dieser auch zum Verbinden am eingeschaltetem Mini Mic 2+ stecken, um mit Strom versorgt zu werden.
Nutzung im Alltag
Für die Nutzung schalten Sie zunächst das Mini Mic 2+ ein. Danach halten Sie das Roger-Mikrofon in die Nähe des Mini Mics beziehungsweise des eingesteckten Roger X und drücken die Connect-Taste am Mikrofon, um die Verbindung herzustellen.
Der Nucleus 8 empfängt das Signal anschließend kabellos vom Mini Mic. Das Streaming kann durch langes Drücken der Taste am Prozessor oder über die entsprechende Smartphone-App gestartet werden, indem das Mini Mic als Audioquelle ausgewählt wird.
Das Mini Mic 2+ muss dabei nicht am Körper getragen werden. Sie können es beispielsweise in eine Tasche legen oder auf einen Tisch legen. In dieser Konstellation dient es hauptsächlich als Übertragungsstation zwischen Roger-System und Cochlea-Implantat-Prozessor.
Die Reichweite zwischen Roger-Mikrofon und Mini Mic entspricht der üblichen Roger-Funkübertragung. Die Verbindung zwischen Mini Mic und Prozessor liegt typischerweise bei etwa 3 bis 5 Metern.
Vorteile
- Ein großer Vorteil dieser Lösung ist ihre Flexibilität. Das Mini Mic 2+ kann nicht nur als Empfänger für das Roger-System dienen, sondern auch unabhängig davon als Tisch- oder Ansteckmikrofon genutzt werden und ist häufig schon vorhanden, so dass nur noch ein Roger X benötigt wird.
- Einige empfinden es auch als Vorteil, dass es sich um einen externen Empfänger handelt und dadurch der Prozessor nicht größer wird. Das Mini Mic kann beispielsweise auch in der Tasche getragen oder auf dem Tisch abgelegt werden.
Nachteile
- Im Vergleich zu anderen Lösungen ist die Nutzung etwas komplexer, da mehrere Geräte beteiligt sind. In der Praxis müssen sowohl das Roger-Mikrofon als auch das Mini Mic und der Prozessor geladen und eingeschaltet sein.
- Zudem entsteht technisch gesehen eine doppelte Funkübertragung: vom Roger-Mikrofon zum Roger X und anschließend vom Mini Mic 2+ zum Nucleus 8. Dadurch kann theoretisch eine minimale Verzögerung entstehen. In der Praxis wird diese jedoch von den meisten Nutzern nicht wahrgenommen.



